Kai Repp, biologist

Frieden... ein Bild des Friedens? Was ist Frieden? Hat Frieden ein Gesicht? Ist Frieden groß oder klein?
Ist der Frieden einfach nur der Zustand von Nicht-Krieg oder meint Frieden mehr?
Allgemein betrachtet ist der Frieden natürlich das Antonym für Krieg. Kann es aber beispielsweise so etwas wie militärische Befriedung geben? Kämpfen für den Frieden? Ist das nicht ein Oxymoron? Schließen sich Kampf und Frieden nicht aus? Wie kann man mit Gewalt Frieden erzeugen? Das ist doch, als würde man mit einem Stock oder den bloßen Händen auf die Oberfläche eines Sees einschlagen und erwarten, dass sich dadurch die Wogen glätten. Krieg ist wie die vielköpfige Hydra aus der Mythologie, aber der Frieden ist nicht das Abbild eines Kriegers, der ihr die Köpfe abschlagen will. Was aber ist also ein besseres Bild des Friedens? Ist eine Bombe, auf der „PEACEKEEPER“ (amerikanische Interkontinentalrakete) geschrieben steht, ein Bild des Friedens? Ist ein Panzer in friedlicher Mission ein Bild des Friedens? Sind Friedenstruppen mit blauen Helmen und Waffen über den Schultern ein Bild des Friedens? Sind das nicht nur Ausreden, Trugbilder und Scharlatanerien, die einen glauben machen sollen, dass Frieden durch Gewalt erzeugt werden kann? Sind sie nicht Deckmäntel, um das Sich-Einmischen in fremde Angelegenheiten zu vertuschen? Das sind keine Friedensbilder, das sind Lügen und Lügen können in sich nichts Friedliches beherbergen, da sie meist düstere Hintergedanken kaschieren.
Frieden ist also nicht der Held, der sich kämpfend einem Untier stellt, und Frieden ist auch nicht die Gewalt, mit der heutzutage versucht wird, Kriege zu rechtfertigen.
Waffenstillstand, Kriegsende und Waffenruhe sind Synonyme für den Frieden nach einem Krieg. Und auch wenn Unfrieden Krieg bedeutet, ist „der Frieden“ viel mehr als nur Nichtkrieg, mehr als nur die Stille zwischen zwei gewalttätigen Donnerschlägen. Denn es geht beim „Frieden“ nicht um Kampf. Frieden kann nicht erzwungen werden. Frieden entsteht aus Liebe, aus Harmonie, aus Nachsicht und Verständigung. Frieden ist nur dann wirklich, wenn man ihn erschafft und lebt, nicht, wenn man ihn mit Nachdruck erzwingt. Toleranz und Offenheit nehmen Konflikten den Wind aus den Segeln, nicht Waffengewalt und Mordlust. Das Bild des Friedens ist nichts, das ein gewaltbereiter Mensch erschaffen kann. Denn beim Frieden geht es um Selbstfindung, um Zufriedenheit und um diesen stillen Ort in dir selbst, den du finden musst, um mit dir selbst und der Welt im Reinen zu sein, und in dem du Ruhe und Stille, Geborgenheit und Heimat finden kannst. Eintracht, Einigkeit, Einklang, Einvernehmen, Entspannung, Harmonie, Ruhe, Stille, Verständigung, Schweigen, Übereinstimmung, Partnerschaft, Gleichklang, Ausgeglichenheit, Ausgewogenheit, Einhelligkeit, Gleichgewicht, Wohlklang, Zufriedenheit, Freundschaft und Brüderlichkeit sind Synonyme des Wortes „Frieden“. Zwischenmenschliche Beziehungen, deine Beziehung zu dir selbst, der Natur und dem Leben an sich, das alles ist Frieden. Frieden bedeutet also, sich mit anderen und mit sich selbst im Gleichgewicht zu befinden, zufrieden zu sein, in Harmonie mit der eigenen Umwelt zu leben und anderen in brüderlicher Freundschaft die Hand zu reichen. Nur aus dieser inneren Ruhe, dieser Sicherheit kann wirklicher Frieden entstehen. Wer unruhig im Herzen, nur auf den eigenen Vorteil bedacht oder unsicher mit sich selbst ist, kann nie wahrhaftig friedlich sein. Denn es ist, wie das Sprichwort sagt: In der Ruhe liegt die Kraft. Und wenn nun also Ruhe und Frieden gleichbedeutend sind, liegt im Frieden die Kraft und Kraft gibt Sicherheit. Frieden ist also weit mehr als nur das Gegenteil des Krieges. Frieden ist Harmonie, Freude und Glück. Frieden ist Ruhe, Gelassenheit und Stille. Frieden ist Lachen, Lieben und Leben.
Wenn man mich jetzt nach einem Bild des Friedens fragt, würde ich antworten: „Schau in das Gesicht einer alten Frau, die aus müden Augen auf ihren liebevoll gepflegten Garten schaut und sich an den summenden Bienen, den blühenden Blumen und den reifenden Früchten erfreut. Dort findest du ein Bild des Friedens. Auch das unbeschwert freie Lachen eines spielenden Kindes an einem regnerischen Tag ist ein Bild des Friedens. Friedensbilder zeigen sich in Tautropfen, die sich vor dem Morgengrauen im Netz einer Spinne gebildet haben und jetzt im Licht der hellen Morgensonne in allen Farben erstrahlen. Frieden liegt in der Freiheit eines rennenden Kindes, der Unbeschwertheit eines flatternden Schmetterlings, dem Herzen des sich stetig wandelnden Windes, der Stille in einer seit Jahrhunderten verlassenen Ruine, aber auch in der weichen Haut eines Puddings, die mit ihrem süßen Mantel sein friedlich schlummerndes Inneres beschützt.“ Und ich würde lächeln, weil ich in mir den stillen Ort entdeckt habe, an dem ich meinen Frieden finden kann.

Frieden:
Frieden lebt, wer Liebe meint,
Frieden ist, was Menschen eint,
Frieden lebt, wer Freude schenkt,
Frieden ist, was Leben lenkt.

Friedlich lebt, wer seine Gefühle zeigt,
Friedlich ist, wer zum Lachen neigt,
Friedlich lebt, wer sein Glück teilt,
Friedlich ist, wer zu Hilfe eilt.

Frieden wohnt in allem Leben,
Frieden lohnt des Menschen Streben,
Frieden hohnt der feigen Lüge,
Frieden thront über dem Kriege.